Frühklassik
Als Frühklassik wird die Übergangsphase von der Barockmusik zur Wiener Klassik von etwa 1740 bis 1780 bezeichnet. Die Frühklassik wird oft als selbstständige Epoche bezeichnet, weil die Komponisten der Frühklassik eine klassische Musik mit einem eigenständigen Charakter und eigenen musikalischen Gedanken komponierten, deren leichter, galanter Stil sich anmutig vom biederen Barock abheben sollte. So wendet sich die Frühklassik von der Gestaltung der Stücke durch mehrere selbstständig verlaufende Stimmen ab und verwendet nur eine vordergründige, dreiklangsgebundene Melodie als Kennzeichen des jeweiligen Werkes. Nun folgten die Melodien einer, der volkstümlichen Musik entliehenen, gradlinigen Periodik. Die Mehrstimmigkeit wird durch eine gleichmäßig harmonische klangfüllende Mittelstimme abgelöst. Demgegenüber werden die Werke der Frühklassik nicht mehr von einem einheitlichen Leitthema bestimmt, sondern ein Stück kann mehrere kontrastierende Themen aufweisen.

Anders als in der Barockmusik, wird in der Frühklassik der musikalischen Gestaltung der Werke nicht mehr gleichviel Bedeutung beigemessen, wie ihrem Inhalt. Die Komponisten der Frühklassik nutzen den musikalischen Rahmen ihrer Stücke als Experimentierfeld und reichern ihn mit originellen Ideen an. Die Orchestersätze werden nicht mehr vom Generalbass bestimmt. Diese Art Musik zu schreiben wurde zugunsten ausdruckstärkerer Mittel nahezu völlig aufgegeben. Verglichen mit der Barockmusik verweltlichte die klassische Musik stärker und einige der, im Barock noch vorhandenen, musikalischen Formen, wie die Passion, kamen in der Frühklassik nicht mehr vor. In dieser Epoche dominierten zunehmend Sinfonien und Streichquartette. Aus dem Cembalo entwickelte sich das Hammerklavier.